Wir über uns:

Unsere Beziehungen zu Minsk reichen eigentlich zurück in die Tage des 2. Weltkrieges, als Sowjetbürger zur Zwangsarbeit ins Deutsche Reich geholt wurden und in Fabriken und in der Landwirtschaft unter oft, aber nicht immer, menschenunwürdigen Bedingungen arbeiten mussten. Als solche ehemaligen Zwangsarbeiter Mitte der 90-er Jahre Mainz besuchen wollten, fanden sie hier Freunde, die sie unterstützten und betreuten und später des Freundschaftskreis Mainz-Minsk gründeten, der im Jahre 1997 ins Vereinsregister eingetragen wurde.

Bis dahin hatten die ehemaligen Zwangsarbeiter einen oft schweren Weg hinter sich. Nach dem Krieg galt für sie in der Sowjetunion der Befehl Nr. 270 von Stalin. Danach waren in Kriegsgefangenschaft geratene Offiziere und Soldaten der Roten Armee und ebenso die Zwangsarbeiter als Verräter und Kollaborateure zu behandeln und deren nächsten Angehörigen auch. Selbst die Frau des in Gefangenschaft geratenen Stalin-Sohnes Jakob wurde auf Grund dieser Anordnung nach Sibirien geschickt. Wer nicht in einem Lager landete, war gezwungen seine Vergangenheit zu verstecken, oft selbst vor dem Ehepartner. Erst in den 80er Jahren, mit der „Perestroika“, änderte sich das.

Nachdem sich die Zwangsarbeiter untereinander im eigenen Land ausgetauscht hatten, wollten sie Mitte der 90er Jahre ihre eigene Geschichte durch Besuche an dem Ort verarbeiten, wo sie stattgefunden hat: in Deutschland. Als 1995 eine solche Gruppe aus Minsk nach Mainz kam, wurde ihr 2-wöchiger Aufenthalt durch die Initiative Mainzer Bürger finanziert. Der Ministerpräsident des Landes Rheinland-Pfalz übernahm die Schirmherrschaft.

Auf Initiative der damaligen Vorsitzenden der Minsker Organisation der ehemaligen Zwangsarbeiter, Nadja Kosova, wurden der Freundschaftskreis mit der Belarussischen Vereinigung für die kulturellen und freundschaftlichen Kontakte zum Ausland zusammengebracht, in deren Veranstaltungsräumen in Minsk fanden schon manche Mainz-Abende und Ausstellungen stattfanden. Zwischen der Musikschule Nummer 10 in Minsk und der Musikschule Nieder-Olm bei Mainz wurde ein Austausch vermittelt. Und zahlreiche Gruppen aus Minsk waren in Mainz zu Gast und umgekehrt.

Die Kontakte des Freundschaftskreises nach Minsk sind nur ein Teil des umfangreichen bürgerschaftlichen Engagements für Belarus (Weißrussland). Nach dem Reaktor-Unglück von Tschernobyl am 26. April 1986, von dem vor allem große Landstriche von Belarus (Weißrussland) betroffen waren, unterstützten spontan viele deutsche Bürger und Organisationen die Umgesiedelten Menschen mit Hilfslieferungen und Einladungen für die Kinder. Zahlreiche Gruppen sind bis auf den heutigen Tag aktiv.

Auch in Zukunft wird der Freundschaftskreis Mainz-Minsk mit Projekten dazu beitragen, einander näher kennenzulernen, Vorurteile abzubauen und freundschaftliche Beziehungen zu pflegen auf dem Weg zu einem gemeinsamen Europäischen Haus.